Sommersches Gut, Görna

Rudolf Sommer, 1932-1945

Sommersches Gut vor 1930, Görna, Foto: SLUB/Deutsche Fotothek, Edwin Bauer
Sommersches Gut vor 1930, Görna, Foto: SLUB/Deutsche Fotothek, Edwin Bauer

Kennzahlen 1936

Eigentümer

Rudolf Sommer (1897-1981)

Landwirtschaftlich genutzte Flächen

46,7 Hektar

Viehbestand

7 Arbeitspferde, 4 Fohlen

28 Milchkühe und 10 Jungtiere

14 Zuchtsauen, 56 Ferkel/Mastschweine

Zeittafel

1862 - Bau des noch heute vorhandenen Gutsgebäude

1894 - Das Gut wird durch Woldemar Sommer erworben

1927 - Übernahme des väterlichen Guts durch Rudolf Sommer

1932 - Einführung der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise

1945 - Verhaftung der Fam. Sommer und Deportation nach Rügen

1946 - Enteignung und Aufteilung in Siedlerstellen

ab 1946 - Umbau und Rückbau des historischen Vierseithofes

 


Magdalena und Rudolf Sommer mit Mitarbeitern vor ihrem Gutshof in Görna, ca. 1930, Foto: Nachlass Familie Sommer
Magdalena und Rudolf Sommer mit Mitarbeitern vor ihrem Gutshof in Görna, ca. 1930, Foto: Nachlass Familie Sommer

Rudolf Sommer - geboren 1897 - wuchs in Görna auf, besuchte die Internatsschule in Meißen und erlernte bei seinem Vater die praktische Landwirtschaft. 1917/18 wurde er zum Kriegsdienst nach Frankreich eingezogen. 1927 übernahm er den väterlichen Betrieb und heiratete Magdalena Keller aus dem nahen Piskowitz. Rudolf Sommer bekam über Robert Steiger im benachbarten Mauna Kontakt zur biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise. Beide besuchten gemeinsam dazu die verschiedensten Veranstaltungen, begannen 1932 mit der Umstellung und waren 1933 Gründungsmitglieder der Demeter-Arbeitgemeinschaft Meißen. Wegen der Gefahr der Bodenverdichtung wurde bis 1945 auf den Einsatz von Traktoren verzichtet: Mit Arbeitspferden wurde gepflügt und anschließend mit Zugochsen geeggt.

"Gustav" der Hofwächter in Görna, Foto: Nachlass Benno von Heynitz
"Gustav" der Hofwächter in Görna, Foto: Nachlass Benno von Heynitz

Benno von Heynitz schrieb 1952: "Aus Görna möchte ich den Kuhstall erwähnen. Die Tiere waren ganz gesund, in bester Verfassung und in bester Pflege bei einem bewährten Melker. Dieser sprach mit seinen Kühen; man hatte den Eindruck, dass seine ganze Arbeitskraft und sein Interesse nur ihnen gewidmet war. Bei Besichtigungen fiel uns auf, dass das Fell der Tiere einen intensiven Glanz hatte wie bei keiner anderen Herde. Schließlich, als wir mit Fragen nicht locker ließen, verriet er uns das Geheimnis: durch Anwendung von Weleda-Präparaten wurde beim Putzen Kosmetik getrieben. Die Tiere befanden sich sichtbar wohl dabei. Erwähnenswert ist, dass bei Herrn Sommer ohne jeden Schaden eine elektrische Melkmaschine verwendet werden konnte. Als Schutz gegen neugierige Eindringlinge trat "Gustav" auf, ein stark behörnter Ziegenbock, dem jeder gern aus dem Wege ging, wenn er den Kopf senkte. In seinen Mußestunden unterhielt er die Kühe." Quelle:  Benno von Heynitz, 1952, Seite 29

Durch die Heirat von Rudolf Sommer mit Magdalena Keller kam das Gut ihrer Familie in Piskowitz in den Besitz der Familie Sommer. Beide Güter zusammen überschritten die Marke von 100 Hektar, womit es zur Enteignung kam. Im Oktober 1945 wurde unter polizeilicher Überwachung die Familie Sommer auf die Insel Rügen deportiert. Die verschiedenen Neusiedler bauten die Nebengebäude zu kleineren Wohnhäusern um, so dass heute nur noch das ehemalige Gutshaus erhalten geblieben ist. 

Heutige Nutzung

 Wohnungen

 

Adresse

Görna 8, 01665 Käbschütztal

 


Görna mit ehemaligem Gutshaus der Familie Sommer, Foto: E.v.W., 2020
Görna mit ehemaligem Gutshaus der Familie Sommer, Foto: E.v.W., 2020