Steigergut Nössige

Martha Kästner, 1933-1953

Martha Kästner - eine der wenigen Hof- bzw. Gutsbesitzerinnen
ihrer Zeit -
entscheidet sich für den Bio-Landbau.

Steigergut, Nössige, Gemälde in Privatbesitz
Steigergut, Nössige, Gemälde in Privatbesitz

Kennzahlen 1936

Eigentümerin

Martha Kästner, geb. Steiger (1895 - 1976)

Landwirtschaftlich genutzte Fläche

48 Hektar, davon 12,75 Hektar biol.-dyn. bewirtschaftet

Viehbestand

 7 Arbeitspferde, 2 Fohlen,
25 Milchkühe und 19 Jungtiere,

28 Schweine

 

Zeittafel

1783 - Das Gut geht durch Heirat an die Familie Steiger

1924 - Martha Kästner, geb. Steiger, übernimmt den Hof vom Vater

1930 - Tod des Ehemanns Curt Kästner

1933 - Umstellung auf die biologisch-dynamische Landwirtschaft

1943 - Heirat mit Dr. Bernhard Gerth, Dresden

1945 - Beendigung der biologisch-dynamischen Bewirtschaftung

1953 - Überführung in die LPG Florian Geyer, Katzenberg

1956 - Martha Gerth, verw. Kästner, flüchtet in den Westen


Martha Kästner (1895 - 1976)

Martha Kästner und ihre Hühner 1916, Foto: Nachlass Fam. Steiger
Martha Kästner und ihre Hühner 1916, Foto: Nachlass Fam. Steiger

In Folge des damals in Sachsen herrschenden "Jüngstenrechts" übernahm Martha Kästner, geb. Steiger, 1924 das Gut Nössige von ihrem Vater Franz Steiger (1860-1941). 1930 verstarb ihr Mann Curt Kästner, wodurch sie sich alleine um die Bewirtschaftung des Betriebes kümmern musste. Ihre Nichte Barbara Wegener, geb. Kästner, schrieb dazu später: "Tante Marthel bewirtschaftete Nössige nun mit Hilfe eines jungen Inspektors. Mein Vater (Hans Kästner, 1887-1962) fuhr alle 14 Tage nach Nössige, um Tante Marthel zu beraten. Auch Onkel "Lob" (Robert Steiger) half vom nahen Mauna aus. Er beeinflusste sie den Hof biologisch-dynamisch zu bewirtschaften. Die Erträge waren geringer, die Früchte gesünder. Biologisch-dynamische Landwirtschaft spielte in den zwanziger Jahren eine zunehmende Rolle und war in der Vorkriegszeit, in der NS-Zeit also, auch absolut hoffähig. Tante Marthel entschied sich für die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise, was zu leichter Verstimmung zwischen Onkel Lob und meinem Vater führte. Sie gab diese Wirtschaftsweise in der Nachkriegs-SZB-DDR-Zeit wieder auf, da das Abgabesoll drückte. 
. . .  Das Abgabesoll stieg unverhältnismäßig hoch an, je größer der Betrieb war. Und Ersatzteile und Saatgut waren kaum zu bekommen. Entweder man trat in die LPG ein und wurde damit zum Landarbeiter oder "man machte in den Westen".  . . .  Tante Marthel und Onkel Bernhard wollten nicht in die LPG, konnten aber dem Druck nicht standhalten und flohen 1956 über Westberlin in den Westen . . ." (Familiengeschichte und Familiengeschichten, Band III Kaestner-Steiger, 2006)

Quellen

  • Hans-Jürgen Wegener: Familiengeschichte und Familiengeschichten, Band III Kaestner-Steiger, Eigenverlag, 2006
  • Benno von Heynitz: Die Biologisch Dynamische Wirtschaftsweise im Land Sachsen 1930 - 1945, Eigenverlag, 1951

Heutige Nutzung

 

Hof im Privatbesitz

 

Adresse

Nössige 9, 01665 Käbschütztal