Obstkelterei Biedermann

seit 1933

"Hier wuchsen Unterkulturen, Sträucher und Obstbäume übereinander."

Benno von Heynitz, 1952

Kennzahlen 1936

Eigentümer

Curt Biedermann

Landwirtschaftlich genutzte Flächen

2,73 Hektar

Viehbestand

3 Zuchtsauen mit Ferkel, 3 Mastschweine,

2 Arbeitspferde, 3 Kühe

Zeittafel

1920 - Curt Biedermann übernimmt die elterliche Wirtschaft

1927 - Gewerbeanmeldung der Kelterei

1933 - Umstellung auf die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise

1935 - Verkauf von Apfelsaft und Süßmoste unter eigenem Namen

1937 - Berechtigung zum Verkauf als "Demeter-Säfte/-Süßmoste"

1945 - Fortsetzung des Betriebs nach konv. Anbauregeln

2019 - Erneute Umstellung des Weinbergs auf ökol. Weinbau


Lebensglück Gartennahrung

1920 übernahm der gelernte Bauer Curt Biedermann (geb. 1896) die elterliche Wirtschaft. Sie war damals noch ein Ferkelhandel, den sein Großvater, ein Schäfer, gründete. „Meine Wirtschaft ist ein Kleinbetrieb von 2,73 ha. Es ist dies eine in hiesiger Gegend sehr zahlreich anzutreffende Betriebsgröße. Die vielen aber meist sehr kleinen Dörfer bestehen aus mehreren Bauerngütern, manchmal auch aus einem Rittergut und dazu aus einigen Häusern und Wirtschaften, früher als „Gartennahrung“ bezeichnet.“ Schon in den frühsten Erinnerungen von Curt Biedermann geht es um das, was zu seiner Berufung werden sollte. „Meine besondere Liebe gehörte ja von Kindauf und vom Vater her dem Obstbau.“ Und so begann er, schon allein aus wirtschaftlichen Gründen, bald damit auf flüssiges Obst zu setzen. 1927 meldete Curt Biedermann seine Kelterei zum Gewerbe an. Zunächst stellt er fast ausschließlich Lohnware her, ab 1935 dann auch Apfelsaft und Süßmoste zum Verkauf unter eigenem Namen.
Den einschneidenden und  maßgeblichen Grund für die veränderte Unternehmensausrichtung nach nur fünf Jahren, beschreibt er ein Vierteljahrhundert später so: „Als ich im Jahre 1933 mit der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise bekannt wurde, stellte ich auch sofort meinen landwirtschaftlichen Betrieb und die Obstanlagen darauf um. Die Vorzüge dieser Betriebsweise, die sich besonders in einer besseren Qualität und Haltbarkeit der Erzeugnisse und dadurch auch in höheren Preisen auswirkte, sollte der Süßmosterei einen entscheidenden Auftrieb geben." Das war die zweite Geburtsstunde seines damals noch jungen Unternehmens. „Wenn ich von der Anmeldung des Gewerbes absehe, da ja nur in bescheidenem Maße Wein hergestellt wurde, wäre das Jahr 1933 als Gründungsjahr der Süßmostkelterei anzusprechen.“  Bereits wenige Jahre später durfte er sich über einen der wichtigsten Meilensteine in seiner Laufbahn freuen, denn „so erhielt ich im Jahre 1937 als erster und einziger Betrieb in Sachsen, die Genehmigung meine Erzeugnisse als Demeter-Säfte und Demeter-Süßmoste zu verkaufen.“ Quelle: Dirk Dobiéy 2019, www.cambiumcompagnie.de

Gründe für den Erfolg

Den Grund für den Erfolg seines Unternehmens fasst Curt Biedermann 1941 in der Demeter Monatsschrift folgendermaßen zusammen: „Nach meinen Erfahrungen kann ich feststellen, dass bei richtiger Anwendung der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise und bei Ausnutzung der zur Verfügung stehenden Möglichkeiten keine Gefahr des Ertragsrückganges besteht aber die Qualität der Erzeugnisse eine wesentlich bessere geworden ist. Auch rein geldlich gesehen wirkte sie sich nur günstig aus. Viel wesentlicher erscheint mir aber die Tatsache, dass man durch die Wirtschaftsweise wieder in das richtige Verhältnis zu seinem Boden, zu seinen Pflanzen und Tieren kommt. Man kommt dabei wieder zu einer Naturbeobachtung, wie sie unsere Vorfahren wohl noch hatten.“ Schon damals richtete sich sein Blick auf die nächste Generation in der Hoffnung, diese möge von derlei Erkenntnissen profitieren. „Unsere Erfahrungen nun auf unseren Nachwuchs zu übertragen und unsere Jungen und Mädel für die Zusammenhänge in der Natur zu interessieren, ist eine unserer vordringlichsten Aufgaben. Ist uns das gelungen, dann ist auch von der Frage der Landflucht schon ein großer Teil gelöst…“, formulierte er in einer Art und Weise, die nichts an Aktualität verloren hat.

Neuere Geschichte

Ab 1945 konnte Curt Biedermann die Demeter Produktionsweise zwar nicht mehr aufrecht erhalten, aber die Kelterei selbst konnten er und seine Nachfolger, unabhängig von den jeweiligen Verhältnissen, bis heute in die vierte Generation fortführen. Auf Curt Biedermann folgte sein Sohn Heinz. Dieser übergab an seinen Sohn Andreas mit Frau Ursula. Heute ist deren Sohn Frank Biedermann leitend im Unternehmen tätig. Sein Bruder Martin wiederum hat sich zum Ziel gesetzt, mit der Gründung von Cambium Compagnie  2019, an das biologisch-dynamische Erbe seines Urgroßvaters in Mauna über Meißen anzuknüpfen. So befindet sich der Maunaer Weinberg von Cambium Compagnie - von ihm kommen vor allem die Trauben für die Sekte - seit 2019 in der Umstellung auf ökologischen Weinbau.

Quelle: Dirk Dobiéy 2019, www.cambiumcompagnie.de

 

Weitere Quellen und Infos

  • Curt Biedermann: Rückblick aus dem Jahr 1956, unveröffentlicht, Archivbestand
  • Benno von Heynitz: Die Biologisch Dynamische Wirtschaftsweise im Land Sachsen 1930 - 1945, Eigenverlag, 1951
  • Dirk Dobiéy: Lebensglück Gartennahrung, 2019, www.cambiumcompagnie.de, Link
  • Dirk Dobiéy: Haus Nummer Elf, 2019, www.cambiumcompagnie.de, Link
  • Dirk Dobiéy: Die neue alte Flasche, 2019, www.cambiumcompagnie.de, Link

Heutige Betriebe

 Kelterei Biedermann

Mauna 2, 01665 Käbschütztal OT Mauna

www.kelterei-biedermann.de

Cambium Compgnie - Sekt, Wein und . . .

Mauna 2, 01665 Käbschütztal OT Mauna

www.cambiumcompagnie.de