Rittergut Heynitz

1930 - 1945

Kennzahlen 1930-1940

Größe und Aufteilung

130 ha Ackerland, 10 ha Weidekoppeln, 11 ha Wiesen, 
5 ha Obstgärten, 3 ha Gartenland, 39 ha Wald,

 

Viehbestand

12 Arbeitspferde, 6 Zugochsen,
52 Bullen und Milchkühe, 30 Jungtiere,
180 Böcke und Mutterschafe, 120 Jährlinge und Lämmer

Zeittafel

1930 - Erste Versuche mit der biol.-dyn. Wirtschaftsweise

1931 - Umstellung gestartet

1933 - Umstellung beendet

1938 - Teilnahme an der Berliner Betriebsprüfung (60 Betriebe)

1939 - Abgabe von 6 Pferden u. 2 Kutschen nach Kriegsausbruch

1940 - Anschaffung des ersten Traktors (45 PS-Lanz-Bulldog)

1941 - Hausherr kurzzeitig im Dresdner Polizeigefängnis

1945 - Enteignung der Familie von Heynitz und Flucht in den Westen


Pferd mit Pfug in Heynitz, Foto: Nachlass Benno von Heynitz
Pferd mit Pfug in Heynitz, Foto: Nachlass Benno von Heynitz
Park in den 1920er Jahre, Foto: Nachlass Benno von Heynitz
Park in den 1920er Jahre, Foto: Nachlass Benno von Heynitz

"Am Südostrand der Lommatzscher Pflege liegt Heynitz, 1334 als Heynicz erstmals erwähnt. Bis 1945 war es für mehr als 600 Jahre die Heimat der Familie von Heynitz, die zum niederen stiftsfähigen Adel der Mark Meißen gehörte. Benno von Heynitz (1887-1979),  promovierte 1911 in Rechtswissenschaften und übernahm als Sechsundzwanzigjähriger 1912 die Bewirtschaftung der angestammten Gutsbetriebe in Heynitz und Wunschwitz, die seit 1866 bzw. 1876 verpachtet waren. Im August 1912 heiratete er Eleonore von Canal (1889-1984). Aus dieser Verbindung gingen sechs Kinder hervor.  Der kurz darauf ausbrechende Erste Weltkrieg und die anschließenden Jahre der lnflation erschwerten den Neubeginn. In seinen Erinnerungen beschreibt Benno von Heynitz sehr genau die Auswirkungen dieser Ereignisse auf die sächsische Landwirtschaft, in die er zudem als Leiter der landwirtschaftlichen Genossenschaft in Miltitz sowie als Vorsitzender des Pachtausschusses für Kirchenland im Kreis Meißen Einblick nehmen konnte.  . . .

1928 oder 1929 kam nun Eleonore von Heynitz auf einer Ernährungsausstellung in Berlin mit Produkten aus der biologisch-dynamischen Landwirtschaft in Kontakt. Auch besuchte sie im Advent 1929 die jährliche Tagung des landwirtschaftlichen Versuchsrings in Bad Saarow. So darf man sagen, dass es die Ehefrau des Rittergutsbesitzers Benno von Heynitz war, die diesen auf neue Gedanken brachte.
Begonnen wurde 1930 mit der Umstellung der Gärtnerei: Der für diesen Zweck eigens aus Dresden berufene Gärtner Heinrich Kleinschmidt nahm sich dieser Aufgabe an und die sicht- und essbaren Erfolge bestätigten Benno von Heynitz in seinem Entschluss. Umgestellt wurden dann immer die Felder, die zuletzt mit Hackfrüchten oder Klee bestellt waren - so hielt man den Ertrag der nachfolgenden Getreidekultur für am wenigsten gefährdet. Neben einer Erweiterung der Fruchtfolge mit Raps und Roggen kamen auch verstärkt Leguminosen zum Einsatz, wie Klee, Luzerne, Bohnen und Erbsen. Dem Wirtschaftsdünger von Kühen, Pferden und Schafen wurde erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt, in einem sorgsamen Kompostierverfahren wurde besonders darauf geachtet, keine Nährstoffe zu verlieren." Nikola Burgeff, 2017

Quellen und weitere Infos

  • Benno von Heynitz: Die Biologisch Dynamische Wirtschaftsweise im Land Sachsen 1930 - 1945, Eigenverlag, 1951
  • Benno von Heynitz: Meine Erinnerungen als Landwirt (1912 - 1962), Eigenverlag, 1978
  • Almar von Wistinghausen: Erinnerungen an den Anfang der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise,  Verlag "Lebendige Erde", 1982
  • Nikola Burgeff: Die Einführung der biologisch-dynamischen Landwirtschaft in der Lommatzscher Pflege, Sächsische Heimatblätter Band 4, 2017

Heutige Nutzung

NABU-Naturschutzstation, Herberge für Wanderreiter, Ferienwohnungen, Sommerkonzerte, etc.


Heynitz 2017, Foto: E. von Watzdorf
Heynitz 2017, Foto: E. von Watzdorf